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Die verschiedenen Völker Santa Catarinas

 

Santa Catarina - Multikulturell

Man kann in einem Wort das menschliche Mosaik zusammenfassen, das Santa Catarina bewohnt: Multikulturalität. In seiner Geschichte schenkten aufeinander folgende Einwanderungswellen dem Land eine große Vielfalt an Bräuchen. Dieser Einfluss hinterließ tiefe Spuren im Alltag und in der Wirtschaft.

Dankbar gegenüber dem großzügigen Land, das ihre Familien aufnahm, sind die Nachkimmen dieser Einwanderer tolerant gegenüber Andersartigem und pflegen eine lange Tradition der Gastfreundschaft. Wem dieses kulturelle Kaleidoskop vertraut ist, der fühlt sich hier schnell zu Hause. Ein "Catarinense" zu sein, ist weniger Ausdruck einer physischen oder geographischen Eigenart als vielmehr eine Lebenseinstellung.

 

Die drei indigenen Völker

Die ersten Bewohner Santa Catarinas waren die einheimischen Indios. Ihre prähistorischen Vorfahren, die hier vor etwa fünf bis zehntausend Jahren lebten, hinterließen im ganzen Staat verstreut unzählige in Stein gehauene Inschriften. Wie überall auf dem amerikanischen Kontinent löschten der Konflikt mit den ersten europäischen Kolonisatoren und die durch diese eingeschleppten Krankheiten den größten Teil der einheimischen Urbevölkerung aus.

Gegenwärtig gibt es beinahe 30 Reservate in allen Regionen des Staates, in denen Xokleng, Guarani und Kaingang zusammen leben - die drei nach kulturellen und biologischen Kriterien homogenen Gruppen, die in Santa Catarina existieren. Die Gesamtzahl der Indios beläuft sich auf etwa zehntausend.

 

Azorianer besiedeln die Küste

Im 16. Jahrhundert erreichten die ersten Portugiesen Santa Catarina und errichteten die ersten Siedlungen. Aber erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde die Küste Santa Catarina de facto besiedelt. Zu jener Zeit war der Süden Brasiliens Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen der Portugiesischen und Spanischen Krone. Um das eroberte Gebiet abzusichern, schickte Portugal Bewohner der Azoren und Madeirainseln, auf denen ein Bevölkerungsüberschuss herrschte.

Die Azorianer errichteten ein Kleinbauernsystem zum Selbsterhalt und betrieben Fischfang. Sie vererbten ihren Nachkommen einen kulturellen Reichtum, der sich in der Architektur, den Fischgerichten, einem eigenen Dialekt und einer stark allegorischen Folklore ausdrückt. An der gesamten Küste Santa Catarinas finden sich Zeichen dieser Kultur.

 

Ankunft der Deutschen und Italiener

Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen Deutsche und Italiener nach Santa Catarina. Zuerst kamen die Deutschen, die 1828 São Pedro de Alcântara gründeten. Eine zweite Gruppe kam 1850 an, besiedelte das Itajaí Tal und gründete Blumenau sowie weitere Siedlungen im Umkreis. Durch Arbeitseinsatz und Hartnäckigkeit gründeten sie kleine landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen. Sie kamen zu Wohlstand, und viele der Unternehmen verwandelten sich in große Industriebetriebe, die heute für die Wirtschaft Santa Catarinas überlebenswichtig sind.

Ab 1875 wanderten Italiener ein, die die zahlenmäßig größte Einwanderergruppe im Bundesstaat stellen. Ihre Nachkommen stellen etwa die Hälfte der gegenwärtigen Bevölkerung dar. Sie besiedelten in erster Linie den Süden, in Küstennähe und in Nachbarschaft zu den deutschen Siedlungen. Sie brachten ihre Kenntnisse des Getreideanbaus, Weinanbaus, der Käse- und Wurstproduktion. Die Städte Criciúma, Urussanga und Nova Veneza, wichtige italienische Gründungen, bewahren die Tradition ihrer Vorväter: den Weinanbau und die Weinkelterei, einen üppig gedeckten Tisch, die Lebensfreude und die Religiosität.

 

Andere Völker

Die ethnische Vielfalt wird von anderen Einwanderergruppen vervollständigt, die numerisch kleiner sind, aber nichtsdestotrotz ihr unverwechselbares Erbe hinterlassen haben: Afrikaner, Polen, Russen, Ukrainer, Letten, Japaner, Österreicher, Norweger, Ungarn, Syrer, Libanesen… Santa Catarina war auch Zwischenstation für viele Rindertreiber aus Rio Grande do Sul und São Paulo, die ihre Herden von einem dieser Staaten in den anderen trieben und dabei die Bergregion Santa Catarinas durchquerten.

In der jüngeren Vergangenheit zog der Bundesstaat sowohl Brasilianer wie Ausländer aus den unterschiedlichsten Regionen an. Die neuen Einwanderer kommen aufgrund der hervorragenden Universitätsausbildung, der beruflichen Möglichkeiten und des gesunden Lebensstils.